Damian Taylor 

Finger

Exhibition 25 October - 7 December 2019

Hidde van Seggelen freut sich, die erste Ausstellung des in London lebenden Künstlers Damian Taylor in Deutschland zu präsentieren. Finger zeigt eine Gruppe neuerer Gemälde auf abgeschliffenen Aluminium-trägern, die eine Serie von Bildern von bedeutsamen und dennoch scheu zurückgezogenen Händen – gelegentlich auch einen Tentakel – zeigen. Die Ausstellung setzt die langjährige Beschäftigung des Künstlers mit der emotionalen und intellektuellen Intelligenz von Händen fort. Der Titel ist ein Rückbezug auf eine Gruppenausstellung, die 2012 bei Hidde van Seggelen, London, stattfand, gemeinsam von Damian Taylor und Richard Bevan kuratiert wurde und außerdem Werke von Ed Atkins, Sean Edwards, Sophie Michael und Mali Morris zeigte.

Die Bilder der Ausstellung beschäftigen sich mit einem grundlegenden Aspekt zeitgenössischer Erfahrung. Sie untersuchen die Beziehung zwischen einem realen Objekt zu einem konkreten Punkt in Zeit und Raum und seinem davon getrennten Leben als digital verbreitete Abbildung. Transparente Schwarztöne, entstehend durch wechselwirkende Glasuren aus hell pigmentiertem Alkydharz, verbergen und enthüllen zugleich Bilder in dem angeschliffenen Metall darunter. Die spiegelartigen Oberflächen ziehen den reflektierten Betrachter und die Umgebung in die Arbeit hinein.

Die Werke reagieren extrem empfindlich auf wechselnde Beleuchtung. Auf den ersten Blick scheinen sie tiefe Monochromtafeln zu sein, die auf inaktive Bildschirme hinweisen. Eine Beschaffenheit, die durch ihre Abmessungen verstärkt wird, welche durch Konvertieren der Pixelmaße von Standardvideoformaten in Millimeter bestimmt werden. In einem anderen Licht treten Bilder und zufällige Markierungen hervor, die unter der Farboberfläche hervorschimmern und sich mit Bewegung des Betrachters oder auch der Sonne verändern.

Diese Arbeiten erscheinen in jedem Ausstellungsraum und jedem Betrachter unterschiedlich. Sie verweigern und erfordern gleichzeitig eine fotografische Vermittlung. Bei normalen Betrachtungsabständen können die großen Rasterpunkte, die einige der Bilder formen, mit dem bloßen Auge nicht in ein Bild aufgelöst werden, jedoch mit der Verdichtung durch die Linse eines Smartphones oder Tablets. Insofern sind die Arbeiten niemals statisch. Vielmehr bieten sie einen fortlaufenden Prozess, in dem es keine endgültige Sicht geben kann: Zwischen real und virtuell wechselnd, nie mit Sicherheit bestimmt und sich immer neu entfaltend wird jedes Objekt zu seinem eigenen Strom von Bildern.

Dies ist Taylors sechste Einzelausstellung mit der Galerie. Neben seiner internationalen Ausstellungstätigkeit hat er kürzlich die Beziehung zwischen Kunst und den sich wandelnden Technologien der Verbreitung von Bildern genauer untersucht und unter anderem zum Einfluss der Entwicklung der Theorie über die Elektrizität auf die Landschaftsmalerei des frühen 19. Jahrhunderts, zu den Auswirkungen der fotomechanischen Reproduktion auf die Skulptur im frühen 20. Jahrhundert, sowie zur Ontologie von Puppen publiziert. Damian Taylor studierte am Chelsea Art College und an der Slade School of Art in London unter anderem bei Professor Bruce Mclean. In 2014 war Taylor wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Yale University (U.S.) und zwischen 2016 und 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der University of Oxford.


English

Hidde van Seggelen is pleased to present the first exhibition in Germany of London-based artist Damian Taylor. Finger brings together a group of recent paintings on abraded aluminium supports, which feature a number of images of significant yet often reclusive hands – and the occasional tentacle. The exhibition continues the artist’s long-standing inquiry into the emotional and intellectual intelligence of hands. Its title returns to a group exhibition held in 2012 at Hidde van Seggelen, London, co-curated by Damian Taylor and Richard Bevan and were also featuring works by Ed Atkins, Sean Edwards, Sophie Michael, and Mali Morris.

Examining a fundamental aspect of contemporary experience, the paintings explore the relationship between a real object at a given point in time and space and its separate life as a digitally distributed image.  Transparent blacks formed through interacting glazes of brightly pigmented alkyd resin at times conceal and at times reveal images in the sanded metal beneath. The mirror-like surfaces draw the reflected viewer and the space surrounding them into the work. 

The paintings are extremely responsive to changing illumination. In one light, they may appear to be deep monochrome panels, alluding to inactive screens, a condition reinforced by their dimensions, which are determined by converting the pixel dimensions of standard video formats into millimetres. In another light, images and incidental marks come into focus, projecting from beneath the paint surface and changing in relation to the movement of the viewer or, indeed, the sun. 

Appearing different in each exhibition space and, crucially, in either eye, these works both refuse and require photographic mediation. At normal viewing distances the large halftone dots that form some of the images cannot be resolved into an image with the naked eye but can when condensed through the lens of a smartphone or tablet. As such, the works are never static. Rather, they offer an ongoing process in which there can be no definitive view: toggling between real and virtual, never resolved and always newly unfolding, each object becomes its own stream of images.

This is Taylor’s sixth solo exhibition with the gallery. Beyond exhibiting internationally, he has recently explored the relationship between art and changing technologies of image distribution more theoretically, publishing on, amongst other things, the influence of electrical theory on early nineteenth-century landscape painting, the impact of photomechanical reproduction on early twentieth-century sculpture, and the ontology of puppets. Damian Taylor studied at Chelsea Art College and Slade School of Art in London among others with Professor Bruce Mclean. In 2014 Taylor was a research fellow at Yale University and between 2016 and 2019 a research fellow of the University of Oxford.